am 26.02.2019 Nachhaltigkeit

Ist Software nachhaltig?

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Das Wort „Nachhaltigkeit“ wird so oft verwendet, dass man mittlerweile ab und zu fast vergisst, dass es neben Bambus-Zahnbürsten und unverpackten Lebensmitteln auch noch ganz andere Bereiche gibt, in denen Nachhaltigkeit ein valides Kriterium ist.

Wir nehmen euch mit auf einen Exkurs zum Thema „Software und Nachhaltigkeit“ — Nachforschen erwünscht!

Versuchen wir uns noch einmal an einer ganz groben und kurzen(!) Definition dieser „Nachhaltigkeit“; denn bei einem Begriff der sich in nur wenigen Jahren so stark entwickelt hat, ist es gar nicht selbstverständlich, ein gemeinsames Grundverständnis zu haben.

Wenn man sich die üblichen Quellen (Ecosia, Wiki, Google Books, …) zurate zieht, ist Grundgedanke der Nachhaltigkeit, dass nicht nur kurzfristig ein bis drei Generationen von unserem Fortschritt profitieren, sondern auch künftige Generationen das können. Es sollen außerdem nicht nur wenige exklusive Gruppen profitieren, sondern es geht um das Wohl Aller. Politisch, gesellschaftlich, kulturell. Und auch nicht zulasten unserer Pflanzen- und Tierwelt, oder des Planeten als solchen. Es gilt also, den kurzfristigen Profit beiseite zu schieben, nicht mehr „Nach mir die Sintflut“ zu denken und global das große Ganze zu betrachten, auch wenn man selbst dabei vielleicht erst mal etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Darunter können wir uns alle etwas vorstellen. Im Idealfall arbeiten wir sogar daran, auf die eine oder andere Art mehr von dieser Nachhaltigkeit in unser Bewusstsein und in unser Leben zu bringen. Aber wie nun so etwas wie Software zum Nachhaltigkeitsgedanken passt, ist uns auf den ersten Blick nicht unbedingt klar.

Tatsächlich kann Software sogar unter verschiedenen Gesichtspunkten nachhaltig werden - und es lohnt sich durchaus, ein wenig nachzuforschen, was man da eigentlich tagtäglich nutzt. Beleuchten wir das Thema Software doch einmal aus unterschiedlichen Richtungen:

1.) nachhaltige Herstellung
Software wächst bekanntlich nicht auf Bäumen, sie wird programmiert. Von Menschen, mit Hardware, mit Strom, Internet, usw. Da kann man nachbohren: Wurden die Programmierer fair bezahlt, oder wird die Arbeit über diverse Freelancer-Plattformen an denjenigen verhökert, der seine Dienstleistung zum größten Spottpreis darbietet? Wie sah deren Entwicklungsumgebung aus? Welche Apps wurden verwendet?

Wurde der Code von Null an aus dem Boden gestampft (auch das kann natürlich manchmal Sinn ergeben), oder wurde er modular aus bestehender OpenSource-Software weiterentwickelt? Welchen Stromanbieter nutzt der Hersteller? Ist meine neue Softwarelösung vielleicht eigentlich ‚sponsored by‘ Atomstrom? Macht der Hersteller diese Informationen überhaupt transparent für den Endnutzer?

 2.) nachhaltige Nutzung
Ein Paradebeispiel für Nutzung, die alles andere als nachhaltig ist: Wir haben alle schon mal die ein oder andere App verwendet, die den Akku unseres Smartphones, Tablets und/ oder Laptops in Windeseile leersaugt. Wir denken „huch!“ und ärgern uns, weil wir damit nicht gerechnet haben und weder Ladegerät, noch Powerbank dabei haben. Aber auch hier gibt es noch weitere Facetten; muss ich zum Beispiel zuerst hardwareseitig unter Geldeinsatz auf die neueste Generation umsteigen, um die Anwendung überhaupt nutzen zu können? Oder werden die Ressourcen so clever eingesetzt, dass ich mit meinem Gerät von gestern auch etwas davon habe? Verbrate ich durch die Benutzung mein Datenvolumen, oder gibt es Offline-Features, die ich nutzen kann? Gibt es einen abgespeckten (vielleicht kostenfreien) Zugang, der zu meinen Bedürfnissen passt (schlank), oder kriege ich die 95% Software, die ich gar nicht brauche und nie nutzen werde, immer obendrauf (Moloch)? Ist das Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen, oder zahle ich für Coolness? Werde ich mit meiner Anwendung allein gelassen, sobald ich sie gekauft habe, oder gibt es zuverlässig Hilfe in der Problembehebung? Und wenn wir schon beim Support sind; übernimmt den ein Bot, der mir einfach nur automatisiert Hilfeartikel zuschiebt, oder interagiere ich mit richtigen Menschen, die sich Mühe geben, mein Problem zu verstehen und mit mir, bzw. für mich Lösungen zu finden (und diese Menschen wiederum sollten vom Hersteller fair bezahlt und von uns Nutzern respektvoll behandelt werden, denn sie sind keine Verschleißteile!)

Diese Liste lässt sich fast endlos erweitern, wenn man darüber nachdenkt.
Übrigens ist eine Cloudlösung prinzipiell schon mal eine nachhaltigere Geschichte. Wer schonmal einen Serverraum gesehen hat weiß, dass die im Unterhalt ganz schön stromlastig sind und gerne mal in dauerklimatisierten Räumen stehen. Aber ist dieser Strom grün?

 3.) nachhaltiger Nutzen
Den meisten Menschen kommt dieser Aspekt als erstes in den Kopf, da der Endnutzer diesen Aspekt am ehesten selbst erfahren kann; hilft mir diese Software beispielsweise, Ressourcen effizienter einzusetzen (Heizung, Strom, usw.)? Kann ich Videokonferenzen nutzen, oder muss ich reisen? Wird durch die Softwarenutzung vielleicht auch ein soziales Projekt, oder der Umwelt- bzw. Tierschutz gefördert? Und für mich selbst: Unterstützt die Software mich dabei, mein eigenes Leben nachhaltiger zu gestalten, beispielsweise indem es mir einen nachhaltigen Mehrwert bringt und mir Wissen zur Verfügung stellt oder hilft, wichtige Dinge wie Arbeitszeit, Freizeit und Geld besser einzuteilen.

 

Wir hoffen, dass euch dieser Artikel zum Nachdenken anregt, denn in Punkto Nachhaltigkeit können wir in vielen Bereichen unseres Lebens noch etwas verbessern. Die Bambus-Zahnbürste ist auf den ersten Blick vielleicht besser sichtbar, aber sie ist nur eines der zahlreichen Puzzleteile.

Hinterfragt die Dinge, die ihr im Alltag nutzt. Wie so oft, geht es darum, im ersten Schritt die richtigen Fragen zu stellen und unter dem Teppich der Bequemlichkeit ordentlich zu kehren.

Jasmin Rheiner

Jasmin macht bei julitec: Verwaltung, Personal-Administration, Content-Erstellung
Sie mag: Ihre beiden Hunde, Natur, Yoga, Fitness, Kitesurfen

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